StartTV NEWSTeam Wallraff: Das Thema heute Abend bei RTL (23.06.22)

Team Wallraff: Das Thema heute Abend bei RTL (23.06.22)

Eine neue Ausgabe von "Team Wallraff - Reporter undercover" bei RTL
Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und sein Undercover-Team sind im Einsatz, um erschreckende Missstände aufzudecken. – © RTL / Stefan Gregorowius

Heute Abend zeigt RTL eine neue Ausgabe von „Team Wallraff – Jetzt erst recht!“ zum Thema Pflegeeinrichtungen und deckt Missstände auf.

Rund 130 Tage ist es her, dass Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und sein Team in vier privatwirtschaftlich geführten Pflegeeinrichtungen undercover waren, darunter Ketten wie „Sereni Orizzonti“ und „Alloheim“, und dokumentierten, welche Konsequenzen Personalmangel und Sparkurse mitunter haben können.

Und tatsächlich zeigte die Dokumentation bereits Wirkung: Nur einen Tag nach der Ausstrahlung wurde die überprüfte Augsburger „Sereni Orizzonti“-Einrichtung angeblich aufgrund eines Corona-Ausbruchs geschlossen – nachdem auch Mitarbeitende die berichteten Zustände bestätigten.

Seitdem erreichten „Team Wallraff“ überdurchschnittlich viele Zuschriften von Zuschauer:innen – darunter Pflegekräfte und Angehörige mit schockierenden Erfahrungen in der Altenpflege.

Sie alle schilderten ähnliche Zustände aus verschiedenen Pflegeeinrichtungen, wie sie auch die Reporter:innen bei ihren Undercover-Einsätzen im Spätsommer 2021 erlebten: Verwahrloste Zimmer, Personalmangel und Überforderung sowie Pflegefehler.

Ein Betreiber stach in den Zuschriften besonders heraus: der private Anbieter „Alloheim“. Im Februar verwies das Unternehmen unter anderem noch darauf, dass es sich nur um bedauerliche Einzelfälle handele. Aber lassen die zahlreichen aktuellen Hilferufe nicht etwas anderes vermuten?

„Team Wallraff“ ist den Hinweisen nachgegangen und war erneut in drei unterschiedlichen privaten Einrichtungen der „Alloheim“-Gruppe undercover. Die besorgniserregenden Ergebnisse zeigt RTL in der neuen Ausgabe „Team Wallraff – Jetzt erst recht!“.

Hier gehen Günter Wallraff und sein Team sogar noch einen Schritt weiter als bisher: Vor laufender Kamera nehmen sie die Verantwortlichen in die Pflicht, darunter auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, und unterstreichen ihre Rechercheergebnisse mit Video-Botschaften von Pflegekräften. Auch die „Alloheim“-Zentrale wird mit den Recherchen konfrontiert.

Maxi undercover in der „Alloheim“-Seniorenresidenz „Ederbergland“ in Frankenberg

Das Unternehmen „Alloheim“ ist mit mehr als 240 Seniorenheimen in ganz Deutschland und über 23.000 Pflegeplätzen der zweitgrößte private Anbieter Deutschlands. Den Eindruck, dass sich die Zustände in den Altenheimen des Betreibers scheinbar auch nach den Wallraff-Recherchen im Februar nicht wesentlich verändert haben, bekommen Günter Wallraff und sein Team, nachdem sich unter anderem auch ein Pfleger aus der Seniorenresidenz „Ederbergland“ in Frankenberg meldete.

In seinem Hilferuf berichtet er von einem teils aggressiven Umgang mit den Bewohner:innen sowie groben Pflegefehlern. RTL-Reporter Maxi geht den Vorwürfen nach und arbeitet sechs Tage lang als Praktikant in diesem Pflegeheim. Bereits an seinem ersten Tag wird er Zeuge, wie ein über 80-jähriger Bewohner von einem Pfleger beschimpft und gedemütigt wird, weil dieser in sein Bett urinierte – dabei ist bekannt, dass der ältere Herr längst einen Katheter benötigt. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Maxi miterlebt, wie der Bewohner dafür bestraft wird, sich einzunässen.

In einer Stellungnahme an RTL schreibt „Alloheim“ dazu: „Für den Umgang mit inkontinenten Bewohnern gibt es bei ‚Alloheim‘ klare Vorgaben: Menschen, bei denen sich (…) ein unwillkürlicher Harnverlust zeigt, erhalten entsprechende Hilfsmittel, um einem unkontrollierten Urinieren im Bett entgegenzuwirken“. Es heißt weiter: „Wir legen sehr großen Wert auf einen respekt- und würdevollen Umgang mit den uns anvertrauten Bewohnern. Ein anderweitiges Verhalten von den Mitarbeitern gegenüber unseren Bewohnern wird nicht akzeptiert.“

Auch eine personelle Unterbesetzung macht sich in Maxis Praktikum an verschiedenen Stellen bemerkbar. So findet er mehrmals Pflegebedürftige vor, die trotz Betätigung der Klingel eine halbe Stunde oder länger auf Unterstützung warten mussten – und das, während sie bereits auf der Toilette oder dem sogenannten Schieber ausharrten und sich mitunter schon tiefere Abdrücke auf ihren Gesäßen abzeichneten.

„Alloheim“ rechtfertigt sich zu diesen Vorwürfen wie folgt: „Grundsätzlich werden Klingeln zeitnah bedient, teilweise kann es zu kurzfristigen Wartezeiten kommen (…). Ein Druckgeschwür aufgrund eines Hilfsmittels wie z.B. einem „Topf“, ist in unserer Einrichtung nicht vorgekommen. Die Hautverhältnisse jedes einzelnen Bewohners sind jedoch sehr individuell, so dass es schon nach kurzer Zeit des Auflagedrucks zu leichten Abdrücken kommen kann.“

Jana undercover in der „Alloheim“-Seniorenresidenz „Auetalblick” in Malente

Auch aus dem Seniorenheim „Auetalblick“ in Malente, ebenfalls „Alloheim“-geführt, erreichte Günter Wallraff eine sehr besorgniserregende Nachricht von einer ehemaligen Pflegekraft. Um herauszufinden, ob sich die Vorwürfe erhärten, bewirbt sich RTL-Reporterin Jana im Frühjahr 2022 in dieser Einrichtung.

Wie schon ihr Kollege Maxi stößt auch sie während ihres achttägigen Praktikums auf gravierende Missstände. Sie merkt schnell, wie ausgelastet ihre Kolleg:innen sind und dass Bewohner:innen dadurch des Öfteren auf der Strecke bleiben.

So finden Jana und eine Kollegin beim Verteilen des Frühstücks eine ältere Dame vor, die kotverschmiert in ihrem Bett liegt. Die Bewohnerin hat einen künstlichen Darmausgang, doch der Stomabeutel muss sich über Nacht gelöst haben. Der Ursache auf den Grund gehen, möchte Janas Kollegin aber offenbar nicht – schließlich sei dafür ein anderer Kollege zuständig. Stattdessen lässt sie die Dame in diesem würdelosen Zustand mit dem Essen zurück.

Ein „Alloheim“-Sprecher äußert sich dazu folgendermaßen: „Grundsätzlich kann es passieren, dass sich ein (…) Stomabeutel aufgrund von Eigenbewegung des Trägers und der Hautbeschaffenheit löst. (…) Unsere Bewohner erhalten eine pflegefachliche Begleitung (…) vom künstlichen Darmausgang, je nach Situation, Bedarf und unter Berücksichtigung ihrer kognitiven Fähigkeiten. Das Zimmer dieser Bewohnerin war und ist in einem ordentlichen Zustand und nicht kotverschmiert.“

Das Schicksal der Bewohnerin begleitet die RTL-Reporterin während ihres gesamten Undercover-Einsatzes. So kommt es während Janas Praktikums aufgrund einer defekten Klingelmatte auch zu mehrfachen Stürzen dieser Dame – mit Platzwunden und Hämatomen als Folge. In ihrer Stellungnahme schreibt die „Alloheim“-Kette, dass defekte Klingelmatten bei sturzgefährdeten Personen nicht bekannt seien. Grundsätzlich würden defekte Hilfsmittel umgehend repariert oder ausgetauscht werden.

Alesia undercover in der „Alloheim“-Seniorenresidenz “Brunswik” in Braunschweig

Fehlendes Fachpersonal sowie grobe Pflegefehler – das soll es auch in der „Alloheim“-Seniorenresidenz „Brunswik“ geben. Daher bewirbt sich RTL-Reporterin Alesia im Frühjahr 2022 für ein zweiwöchiges Praktikum auf der Station „Junge Pflege“.

Hier geht sie außerdem dem Vorwurf nach, dass der Konzern mit diesem neuen Konzept eine Lücke im Gesundheitssystem ausnutzen würde, um mehr Profit zu machen. Dabei werden pflegebedürftige Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in einem Altersheim untergebracht und betreut. Und auch in dieser Einrichtung kann Alesia eine Vielzahl an Missständen dokumentieren, unter anderem erhebliche Mängel bei der täglichen Hygiene der Bewohner:innen mit teilweise schmerzhaft aussehenden Entzündungen.

Ob es die Mitarbeitenden einfach nicht besser wissen? Gegenüber Alesia geben einige zu, dass sie keine richtige Einarbeitung erhalten hätten. „Alloheim“ dementiert das und schreibt in der Stellungnahme an RTL: „Sämtliche in der Jungen Pflege tätigen Pflegehelfer erhalten eine vierwöchige Einarbeitung in die Junge Pflege inklusive Schulungen zu den Krankheitsbildern und dem Umgang damit. Dies erfolgt unabhängig von und zusätzlich zu einer Ausbildung als Pflegehelfer. (…) Ein Einsatz von Pflegehelfern in der Jungen Pflege erfolgt den Vorschriften entsprechend zudem unter Betreuung durch eine Pflegefachkraft.“

Mangelnde Fachkenntnisse beim Personal machen sich für Alesia vor allem bei Bewohner:innen mit psychischen Erkrankungen bemerkbar. Ein Schicksal, das der Reporterin besonders nahe geht, ist das einer jungen Frau: Seit einem Suizidversuch lebt sie im Braunschweiger „Alloheim“, untergebracht in einem Zimmer voller Gummimatten zum eigenen Schutz, allein und ohne Beschäftigung.

Öfter schreit die junge Frau stundenlang. Zur Beruhigung soll sie Kinderfernsehen schauen. Dabei wirbt das Pflegeheim sogar damit, verschiedene Therapie- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Pflegebedürftige der „Jungen Pflege“ anzubieten. Eine Unterbringung auf diesem Bereich wird mit knapp 6.000 Euro im Monat festgelegt. Von Therapieangeboten bekommt die Reporterin in ihrem Praktikum allerdings nichts mit.

Dazu schreibt „Alloheim“ in ihrer Stellungnahme, dass die Pflegekräfte zahlreiche, auch psycho-soziale, Schulungen durchlaufen würden und rechtfertigt: „Ziel der Jungen Pflege ist der Erhalt der Mobilität sowie die Förderung und Rückkehr in eine mögliche Rehabilitation, selbstständigere Wohnform oder selbstständigeres Leben. (…) Den (…) Vorwurf, dass die Bewohner in der „Jungen Pflege“ nicht ausreichend aktiviert werden, weisen wir (…) entschieden zurück. (…) Darüber hinaus verwahren wir uns gegen den Vorwurf, dass es ‚Alloheim‘ primär nur um Mehrgewinn gehe.“ Der Betreiber schreibt außerdem, dass die Bewohner:innen das Fernsehprogramm selbst bestimmen würden.

Karl Lauterbach stellt sich „Team Wallraff“-Recherchen

Nicht nur die „Alloheim“-Kette muss sich dem harten Urteil von „Team Wallraff“ stellen, sondern auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach wird von Günter Wallraff sowie Pflegexpertin Prof. Dr. Tanja Segmüller in einem Interview in die Pflicht genommen. Vor laufender Kamera zeigen sie ihm das Videomaterial aus den Undercover-Einsätzen. Wie konnte es so weit kommen?

Für den Gesundheitsminister liegt der Fehler in der Privatisierung der Pflegebranche: „Jetzt ist es so, dass diese privaten Investoren einfach nicht enteignet werden können. Das ist rechtlich so nicht machbar. Rückblickend hätte ich es richtig gefunden, wenn die Pflege einfach eine kommunale Aufgabe geblieben wäre.“ Was also muss passieren?

Günter Wallraff findet dafür klare Worte: „Die ‚Alloheim‘-Kette spricht wieder einmal von individuellem Versagen und Einzelfällen. Ich überlasse es Ihnen, dies zu beurteilen. Meiner Meinung nach müssten die teils entwürdigenden Bedingungen sofort abgeschafft werden.

Gewinnmaximierung auf Kosten der Bewohnerinnen und Bewohner darf es grundsätzlich in keinem Pflegeheim geben. Konzerne wie ‚Alloheim‘ müssen viel strenger kontrolliert werden – und wenn sie Renditedruck und menschenwürdige Pflege nicht vereinen können, müssen sie geschlossen werden.“

Der hier genannte Betreiber bestreitet die Vorwürfe, zur Gewinnmaximierung an Qualitätsaspekten und Fachpersonal zu sparen.

Letzte Artikel

Alle Infos zu „Team Wallraff – Reporter undercover“ im Special bei RTL.de.

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Sendehinweis
„Team Wallraff – Jetzt erst recht!“ heute Abend um 20:15 Uhr bei RTL

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