Start Interviews Daniel Schuhmacher – Das XL-Interview mit dem DSDS-Star

Daniel Schuhmacher – Das XL-Interview mit dem DSDS-Star



© Tamara Platytsch/Fokus Fotografie
© Tamara Platytsch/Fokus Fotografie

STARSonTV: Du hast eben kurz Menderes erwähnt. Was ist denn da deine Meinung. Bewunderst du ihn für seine Hartnäckigkeit und für das Festhalten an seinem Traum, oder denkst du, da ist auch viel Uneinsichtigkeit mit dabei?

Daniel: Ich denke, Menderes weiß sehr gut, was er da macht. Er ist ein Star mittlerweile, er hat Kult-Faktor und das ist eine Sache, die er sich erarbeitet hat. Jedes Jahr da hinzugehen, jedes Jahr das wieder auf sich zu nehmen, dass ihn vielleicht auch ein paar Leute auslachen und trotzdem weiterzumachen ist eine Leistung. Soweit ich weiß, ist Menderes auch gut gebucht und hat viele Auftritte. Er ist mittlerweile auch einfach ein Teil von DSDS, so wie Dieter.

STARSonTV: Man konnte ihn ja praktisch aufwachsen sehen über die letzten 10 Jahre.

Daniel: Stimmt, man hat alles mitbekommen.

STARSonTV: Wirst du denn dennoch die neue Staffel verfolgen?

Daniel: Ich hab die letzten Jahre immer mal wieder reingeschaut. Es war nicht so, dass ich jetzt die ganzen Staffeln verfolgt habe und da total euphorisch war, aber ich schalte natürlich auf jeden Fall deswegen ein, weil ich einfach sehen will, wie die Änderungen so sind.

Die Castings haben jetzt einen viel größeren Stellenwert, die Live-Shows wurden verkürzt, der Recall wurde verkürzt und es wird einfach weniger auf die musikalischen Sachen eingegangen, und meiner Meinung nach auch weniger auf die starken Sänger oder auf die Live-Performance auf der Bühne. Deswegen ist es eigentlich uninteressanter geworden, aber ich werde auf jeden Fall mal reinschauen und sehen, wie sie das jetzt gestalten wollen. Ich meine, wenn es nur noch 2 oder 3 Live-Shows gibt, wird es für denjenigen noch schwieriger, weil er einfach weniger Zeit hat sich zu präsentieren.

STARSonTV: Man darf gespannt sein, wie es angenommen wird.

Daniel: Hin zur Quote und einfach weg von Sachen wie Musik und Anspruch. (lacht) Aus TV-Sicht und aus RTL-Sicht kann ich das auch verstehen, aber aus Sicht eines Sängers oder eines Kandidaten, der dort auch mitgemacht hat und damit in Verbindung gebracht wird, finde ich es einfach schade. Ich meine, alles was bei DSDS passiert, alle Änderungen und alles was dort so vor sich geht und auch in manchen Musikmedien überhaupt nicht gut ankommt, wird auch wieder zurückfallen auf die letzten Sieger. In meiner Staffel war es so, wir hatten die Live-Band, wir hatten die Motto-Shows, die wirklich noch Motto-Shows waren, aber trotzdem werde ich auch verglichen mit Leuten, die die letzten Jahre da waren und die eigentlich komplett an einer anderen Show teilgenommen haben, als ich damals.

STARSonTV: Du gehörst auch zu denjenigen, die es geschafft haben, konstant Erfolge zu verzeichnen. Dein Name ist immer noch in den Köpfen der Leute, was sicherlich nicht jeder Kandidat einer Castingshow von sich behaupten kann.

Daniel: Das freut mich auch ungemein. Ich habe die letzten Jahre auch viel gearbeitet dafür und Gas gegeben. Und das gibt mir auch ein positives Gefühl, auch wenn ich es immer noch schwer habe. Ich habe es im Radio schwer und ich werde immer noch mit diesem Klischee in Verbindung gebracht. Aber dass ich immer noch da bin, von der Musik leben kann und noch Musik machen kann zeigt mir, dass ich da was richtig mache. Und es motiviert mich auf jeden Fall weiterzumachen.

STARSonTV: Du hast deine Chance genutzt und scheinbar auch viele richtige Entscheidungen getroffen.

Daniel: Sicher waren viele Entscheidungen richtig, manche vielleicht auch nicht. Für mich ist wichtig, dass ich keiner Sache hinterher trauere oder etwas bereue. Sondern dass ich für mich sagen kann, dass ich da teilgenommen habe, dass ich da wirklich dankbar bin, dass ich diese Chance so nutzen konnte und dass sie mir ermöglicht wurde. Und alles was jetzt drumherum nicht so lief oder nicht so in meinem Sinne war, das habe ich verarbeitet, das ist auch ganz wichtig bei so einer Show. Und dass ich jetzt einfach geradeaus und weiter nach vorne gucken kann. Was ich bei vielen eben auch mitbekommen habe ist, dass sie auch einfach an dieser Show noch festhängen nach alle den Jahren, und sich da festbeißen. Um aber weitermachen zu können, muss man loslassen.

STARSonTV: Ja, man sollte sich wohl nicht nur auf „DSDS Ex-Kandidat“ reduzieren.

Daniel: Genau!

STARSonTV: Es ist ein Sprungbrett und du hast es genutzt und bist weit gesprungen letztendlich und hast für dich daraus was gemacht.

Daniel: Man kann sich halt auch nicht mehr auf RTL verlassen. Es ist so, dass es jedes Jahr eine neue Staffel gibt, jedes Jahr gibt es einen neuen Sieger, da kann man nicht davon ausgehen, dass RTL einen featured und einen unterstützt. Da muss man auch selbst gucken, wo man bleibt und sich selbst etwas erarbeiten. Und man muss vielleicht auch mal ein Risiko eingehen und was von dem eigenen Geld oder von dem, was man gewonnen oder verdient hat investieren. Das sind alles Sachen, die spielen halt auch eine Rolle. Wenn man nur sagt „ach, ich will nur Geld verdienen“, dann hat das auch wenig Sinn. Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich einen Großteil meines Gewinnes damals einfach sehr gut gespart habe und habe dann irgendwann angefangen in meine eigene Musik zu investieren um weiterzukommen und nicht gesagt „nö, das ist es mir nicht wert“. Ich finde, wenn man das machen will und Gas geben will, dann muss man das mit vollem Herzen machen und nicht irgendwie nur so halb und hoffen, dass man irgendwie Glück hat.

STARSonTV: Das spricht aber auch sehr für dich. Viele hätten das Geld wohl nicht für später angelegt, sondern für den Moment gelebt und es ausgegeben.

Daniel: Da hatte ich aber auch Glück mit meinen Eltern. Die sind selbstständig und die wissen wie das läuft und haben mich da schon gut gebrieft und gesagt „Junge, das Geld erst mal zur Seite legen“. Man braucht es ja auch erst mal nicht. Das erste Jahr nach DSDS hat man gar keine Zeit zum Geld ausgeben weil man nur unterwegs ist und viel arbeitet. Ich glaube, das erste was ich mir gekauft habe, war ein MacBook, das war so die einzige große Investition die ich gemacht habe. Ansonsten habe ich schon aufgepasst, dass ich mein Geld zusammenhalte, weil man auch nie weiß, was passiert. Es hätte ja auch sein können, dass ich nach einem Jahr nicht mehr weitermachen kann, dass es mit der Musik gar nicht mehr klappt. Und dann hätte ich wenigstens dieses Geld noch etwas in der Hinterhand gehabt für meine grundsätzliche Zukunft.

STARSonTV: Das zeigt auch, wie wichtig es sein kann, die richtigen Menschen um sich zu haben, die einem gut gemeinte Ratschläge geben.

Daniel: Das ist auch wirklich so. Das habe ich auch festgestellt. Ich habe zum Beispiel bei mir im privaten Umfeld gemerkt, wer die wahren Freunde sind und wer die Leute sind, die selber etwas vom Kuchen abhaben wollen. Meine engsten Freunde von früher sind auch heute noch in meinem engsten Umfeld, ihnen kann ich zu 100% vertrauen. Ich denke, so etwas ist ganz, ganz wichtig. Wenn man nach so einem Sieg plötzlich sagt „Ich gehe jetzt weg, zieh in die große Stadt und will mit euch nichts mehr zu tun haben und mach mein eigenes Ding“, dann hat man plötzlich Menschen um sich herum, die es nicht gut mit einem meinen. Da gibt es ja auch genug Beispiele dafür.

STARSonTV: Die Freundschaften, die sich gehalten haben, sind dann bestimmt etwas ganz besonderes. Das sind deine alten Freunde, die alles mit dir miterlebt haben von Anfang an und die auch viel auf dich verzichten müssen, wenn du unterwegs bist. Und die auch immer ein bisschen in deinem Schatten stehen, als „der Freund von“, ohne sich selbst aber „klein“ dabei vorzukommen.

Daniel: Das Gute ist, wenn ich Zuhause bin, dann bin ich tatsächlich nicht der Daniel von DSDS. Das war von Anfang an so. Ich kam nach Hause, meine Freunde waren komplett so wie früher. Die haben mich auch nicht anders behandelt, was für mich auch wichtig war. Das hält einen auch auf dem Boden. Meine Freunde sagen nie „Oh Daniel, du bist so toll, du bist so super“, die sagen eher „Stell dich nicht an, komm rein und hol dir selber was zu trinken.“ (lacht) Das war für mich auch das Coolste, dass meine Freunde die ganze Show und das ganze Drumherum nicht so groß gewertet haben. Ich habe das selber glaube ich auch selbst nicht so groß gewertet. Es war einfach eine TV-Show und sich das vor Augen zu halten, ist wichtig.

STARSonTV: Ja, am Ende vom Tage war es letztlich nur eine TV-Show, aber eine TV-Show mit weitreichenden Konsequenzen für dich. Und du hast einiges erreicht, was bewundernswert ist. Hast du denn noch Kontakt mit ehemaligen DSDS-Kollegen?

Daniel: Also aus meiner Staffel habe ich noch den engsten Kontakt mit Dominik Büchele. Er war letztens bei uns Zuhause und wir sind mit Freunden zusammen Kanu gefahren. Unser Kontakt ist so eng, weil er so jemand ist wie ich. Er kommt aus einem kleinen Dörfchen aus dem Süden, nicht so weit von mir entfernt und er hat sich so wie ich die ganze Sache nicht so zu Kopf steigen lassen. Deswegen bin ich mit ihm noch so am engsten. Über die sozialen Netzwerke schreibe ich aber auch mit anderen Kandidaten, aber so der wirklich enge Kontakt ist nicht mehr da, weil natürlich auch jeder sein eigenes Leben lebt und jeder sein eigenes Ding macht. Aber so lange man sich grün ist und gut miteinander ist, ist für mich alles gut.

STARSonTV: Was hat sich eigentlich für dich geändert, seit du angefangen hast, deine Musik selbst zu schreiben? Für deine Fans ist es ja am schönsten, besonders authentische Musik zu hören, die von den eigenen Gefühlen und Gedanken handelt. Aber gibt man dann nicht auch besonders viel von sich preis, wenn man einen Einblick in die eigene Gefühlswelt gewährt?

Daniel: Bei mir ist es so, dass ich in Interviews meist wenig persönliches preis gebe, mir ist es immer leichter gefallen, das über meine Songs zu machen. Ich mag es auch, in Songs mit Metaphern zu arbeiten und Dinge nicht direkt zu sagen, aber anzudeuten. Und ich habe einige Fans, die interpretieren gerne, das finde ich immer ganz interessant. Seit ich 16 war schreibe ich an Songs, schreibe Sachen auf und habe angefangen zu texten. Dadurch, dass ich durch DSDS so viele coole Musiker kennenlernen konnte und mit denen auch schreiben konnte, hat das den Songs ein Stück weit Leben eingehaucht. Das war für mich das Spannendste.

Auch einige Songs vom letzten Album sind schon sehr viel älter eigentlich. Die habe ich teilweise schon vor DSDS geschrieben. Es war interessant zu sehen, wie die Songs sich dann entwickeln, was daraus wird, ob sich vielleicht Melodien verändern. So habe ich extrem viel dazugelernt weil ich auch mit Leuten arbeiten konnte, die Profis sind und mir auch noch was beibringen können.

STARSonTV: Aber ist man dann nicht auch besonders verwundbar, wenn ein Song den man selbst geschrieben hat und in den man seine Gefühle reingesteckt hat, dann vielleicht falsch ankommt oder vielleicht sogar gar nicht ankommt bei den Fans? Das ist ja dann wie das eigene Baby und nicht mehr nur ein Lied, das aus der Feder eines anderen stammt, sondern etwas ganz eigenes. Ist man dann sehr darauf bedacht „Oh Gott, hoffentlich kommt das jetzt gut an“?

Daniel: Wenn ein Song den man selbst geschrieben hat nicht gut ankommt, ist man schon verwundbar, weil man einen Teil seines Inneren preis gibt und dann ja auch so viel Energie und Zeit in dem Song drin steckt. Und dann sagt jemand „Ach, der Text ist flach“, klar ist man dann verwundbar. Aber ich kann das auch schnell wieder abhaken, weil ich einfach auch stolz bin, dass ich so was gemacht habe und ein Album selbst geschrieben habe. Natürlich bin ich dann angreifbarer, wenn es dann nicht so läuft und es heißt „Du hast kein Talent zum Songs schreiben“. Da ist schon ein gewisser Druck da, als wie wenn das jemand anderes macht und du singst das „nur“. Aber ich wollte das immer machen, das war mein Ziel. Ich wollte ein Album machen wo ich sagen kann: Leute, das bin ich, das sind meine Erfahrungen, das ist meine Meinung, das ist die Musik, die ich machen will. Über Geschmack lässt sich letztlich natürlich immer streiten. Wenn Kritik letztlich kommt, die fachlich ist, dann kann ich damit auch leben. Aber Geschmack ist halt immer so eine Sache. Deshalb bin ich da mittlerweile auch entspannter.

STARSonTV: Was denkst du denn, was dein Geheimnis ist, dass deine Fans dich mit so viel Engagement und Liebe durch die letzten 5 Jahre begleitet und getragen haben? Und immer zu dir stehen, egal was kommt?

Daniel: Ich glaube, das ist weil ich meinen Fans nicht von oben herab begegne. Das ist ganz wichtig. Wenn ich Termine habe und irgendwo bin, begegne ich ihnen auf Augenhöhe. Und ich versuche, sie an meinem Leben teilhaben zu lassen. Zwar nicht so, dass es zu privat wird, aber dass ich ihnen dennoch ein Stück von mir zeige und ihnen gegenüber offen bin. Ich hab meinen Fans gesagt, dass ich es toll finde, dass ich die letzten 5 Jahre immer ich sein konnte. Auch wenn es um Themen wie Sexualität ging, habe ich vor meinen Fans nie etwas gespielt und nie spielen müssen. Ich habe nie irgendwelche Rollen spielen wollen und ich glaube, das kam bei meinen Fans gut an.

STARSonTV: Man sieht auch auf Facebook und Twitter, da ist ein reger Austausch unter deinen Beiträgen, auch unter den Fans selbst. Schreibst du denn deine Kommentare alle selber?

Daniel: Auf jeden Fall! Ich fände es schrecklich wenn das jemand anderes machen würde. Meine ganzen sozialen Netzwerkseiten mache ich selber. Meine Fans kaufen die CDs, kommen zu den Konzerten, unterstützen mich, geben Gas und machen bei jedem Voting mit. Wenn ich dann nicht selber posten würde, würde sich das für mich falsch anfühlen.