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Jo Bolling als „Andreas Zenker“ in der ARD-Serie "Lindenstraße"

© WDR/Steven Mahner

Moderator Marcel Schenk trifft regelmäßig Schauspieler/innen vom Ensemble der ARD-Kultserie „Lindenstraße“ zum Gespräch. Folge 6: Jo Bolling als „Andreas Zenker“.

Marcel Schenk: Hallo Jo, schön, dich hier am Drehort zu treffen.

Jo Bolling: Hallo Marcel. Ich freue mich auf unser Gespräch.

Marcel Schenk: Du bist vor nunmehr 27 Jahren als „Andy“ in die „Lindenstraße“ gekommen. Ein alleinerziehender Vater mit vier Kindern, von denen zwei gerade in der Pubertät waren. Eine Familie, die damals die Serie ganz schön durcheinandergewirbelt hat. Wie lange dachtest du, wird „Andy“ bleiben? Oder anders gefragt: Wie lange dachtest du damals, wird die „Lindenstraße“ bleiben? Es war ja eine Serie, die von der Presse in den ersten Jahren nicht unbedingt geliebt wurde…

Jo Bolling: Ein Jahr. Ich hatte damals einen Einjahresvertrag, und mit mehr habe ich zum damaligen Zeitpunkt überhaupt nicht gerechnet. Es gab ja auch keine vergleichbare deutsche Langlaufserie.

Marcel Schenk: Seit einem Vierteljahrhundert bist du nun auch mit deiner Serien-Ehefrau „Gabriele Zenker“ verheiratet. Glückwunsch zur Silberhochzeit! Das kommt in deutschen Serien auch nicht allzu häufig vor – zumal wir ZuschauerInnen ja alles miterleben konnten.

Jo Bolling: Danke. Es ist für mich etwas ganz Besonderes, mit Andrea Spatzek zu drehen.

Jo Bolling spielt Andy Zenker
© WDR/Steven Mahner

Marcel Schenk: Ihr agiert sozusagen wie ein „altes Ehepaar“ vor der Kamera. Tickt man nach so vielen gemeinsamen Jahren gleich? Weißt du, „wie“ Andrea bei den Dreharbeiten reagieren wird und weiß auch sie dasselbe von dir?

Jo Bolling: Ja, ich glaube schon! Wir haben uns so aufeinander eingespielt, dass es schon oft vorkam, dass wir mit unseren Szenen viel früher, als eigentlich geplant, fertig waren. Der Grund ist einfach, dass wir uns sowohl in der Rolle, als auch privat, so gut verstehen. Ich kann mir keine bessere Partnerin für „Andy“ in der „Lindenstraße“ vorstellen.

Marcel Schenk: Wäre „Andy Zenker“ jemand, mit dem du auch privat befreundet sein könntest?

Jo Bolling: Es kommt immer auch darauf an, wie der Charakter der Person ist und ob es dann mit einem selbst harmoniert. In der langen Zeit habe ich inzwischen einiges zur Rolle beigetragen und kenne den „Andy“ dadurch sehr gut. Darum könnte ich mir durchaus vorstellen, mit ihm befreundet zu sein.


Marcel Schenk: Wie muss bei dir ein freier Tag ablaufen, damit er für dich ein rundum „perfekter“ Tag ist?

Jo Bolling: Zu Hause ist es für mich ein schöner Tag, wenn ich etwas mit meinen Kindern unternehmen kann. Ich bin vor kurzem Opa geworden, und wenn dann auch noch mein Enkel mit dabei ist, dann ist der Tag wirklich perfekt. Wenn ich alleine bin, male ich sehr gerne. Dabei kann ich wunderbar relaxen.

Marcel Schenk: Kannst du dich gut selbst im Fernsehen anschauen, oder bist du zu selbstkritisch?

Jo Bolling: Ich bin sogar sehr selbstkritisch. Darum gucke ich mir meine Szenen besser nicht an. (lacht) Anfangs habe ich das getan, aber man kann die gesendeten Szenen ja ohnehin nicht mehr ändern.

Marcel Schenk: War die Schauspielerei immer dein Traumberuf?

Jo Bolling: Ich wollte früher eigentlich Dolmetscher für Arabisch und Englisch werden. Es gab vieles, was ich als junger Mensch plante. Einiges davon hatte ich auch angefangen. Das alles aufzuzählen würde hier aber den Rahmen sprengen. Ich erinnere mich, dass ich in meiner Geburtsstadt Bonn als Statist am Theater war, und da habe ich gedacht, das wäre etwas für mich. Relativ spät, mit 23, habe ich dann mit der Schauspielschule angefangen. Wir waren eine Familie mit sieben Kindern. Da war es nicht möglich, dass man mir mal „eben so“ die Schauspielschule finanziert. Aber die Schauspielerei hatte mich ab diesem Zeitpunkt gepackt, und ich hatte den Willen, mir die Erfüllung dieses Wunsches zu erarbeiten: Nachts habe ich gejobbt und tagsüber dann an der Schauspielschule gelernt.

Marcel Schenk: Wie würdest du einem Fremden, der die „Lindenstraße“ nicht kennt, dein Serienego „Andy Zenker“ kurz und kompakt beschreiben?

Jo Bolling: Es fängt immer mit dem Charakter an, „wie“ man einen Menschen beschreibt. „Andy Zenker“ hat einen sehr starken Charakter. Er ist ein Familienmensch und liebt seine Kinder über alles. Außerdem ist „Andy“ sehr geradlinig.

Marcel Schenk: Gleicht man sich seiner Rolle nach so vielen Jahren an, oder gibt man der Serienrolle mit der Zeit mehr von sich selbst?

Jo Bolling: Eindeutig das zweite!

Marcel Schenk: Vielen Dank für deine Zeit und bleib‘ wie du bist, Jo!

Jo Bolling: Ich bedanke mich, mach’s gut!

INFO


Jo Bolling
Rolle: Andreas „Andy“ Zenker
In der „Lindenstraße“ seit: Folge 220 (1990)

Jo Bolling wurde 1941 in Bonn geboren und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Offenbach.

 
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