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Carlo Degen und Eric Stehfest im Interview über Homosexualität

Carlo Degen und Eric Stehfest im Interview über Homosexualität

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Carlo Degen und Eric Stehfest im Interview über Homosexualität

© RTL


Soap-Fans kennen Carlo Degen und Eric Stehfest aus den RTL-Soaps „Alles was zählt“ und „Unter Uns“. Dort spielen sie jeweils einen Homosexuellen. RTL führte jetzt ein Interview mit den beiden, welches wir euch nicht vorenthalten möchten.

Sowohl „Alles was zählt“ als auch „Unter uns“ schmücken sich derzeit mit spektakulären Geschichten rund um Homosexualität. Bei AWZ spielt Carlo Degen den schwulen Fußballer Joscha Degen, der seine Umwelt aus Angst glauben lässt, er steht auf Frauen. Bei UU spielt Eric Stehfest den jungen homosexuellen Schüler Yannick, der sich in seinen Mitschüler Ringo verliebt und diesen damit in einen großen emotionalen Konflikt stürzt.

Sowohl Joscha als auch Ringo legen sich daraufhin Alibi-Freundinnen zu, um ihre Homosexualität zu vertuschen. In einem großen Interview äußern sich die heterosexuellen Schauspieler Carlo Degen und Eric Stehfest über ihre homosexuellen Rollen, über Schwule beim Fußball und die schwulenfeindliche Politik in Russland – und wollen ein Zeichen für mehr Akzeptanz und Toleranz setzen.

Wie geht Joscha in der Serie AWZ mit dem Thema Homosexualität um?
Carlo Degen: Auf Joscha lastet ein großer Druck, da er seine Homosexualität unterdrückt. Er hatte eine verdeckte Beziehung mit einem Mann, hat diese jedoch zugunsten seiner Fußballkarriere beendet. Jetzt versucht er, seine Gefühle vollkommen zu verdrängen und vollkommen heterosexuell zu sein. Er hat eine Freundin nach der anderen und gerät von einem Fettnäpfchen ins nächste bei dem Versuch, da irgendwie drum herum zu kommen. Sobald es mit einer Frau ernster wird, schießt er sie ab und geht zur nächsten über. Das Ganze geht irgendwann sogar so weit, dass er eine Scheinehe eingeht. Er tut alles Mögliche, damit es nicht ans Licht kommt.

… und wie ist es für „Yannick“ bei „Unter uns“?
Eric Stehfest: Yannick ist eigentlich ein Lichtpunkt in der Schillerallee. Er versteht sich mit allen super gut, fällt nicht groß auf und macht seine Schule ordentlich. Man merkt, dass er ein junger Mann ist, der zu dem steht, was er ist und macht. Er hat nur ein Problem, und zwar, dass er sich in den falschen Typen verliebt.

Wie ist es für dich als Hetero-Mann, in der Serie die Rolle eines Homosexuellen zu spielen?
Carlo: Es ist eine ganz spezielle Herausforderung. Durch die besondere Thematik meiner Rolle, die mit Fußball und Homosexualität gleichermaßen zu tun hat, habe ich sehr viel zu spielen und das ist super!

Eric: Seit meiner Kindheit habe ich immer sehr gerne verschiedene Rollen gespielt. Ich habe irgendwelche Charaktere angenommen, die mein privates Leben gar nicht beeinflussen und ganz weit weg von meinem eigentlichen „Ich“ sind. Darum wollte ich Schauspieler werden. So spiele ich jetzt die Rolle des Yannick und kann mich da eigentlich ganz gut einfühlen. Ich würde auch gar nicht in den Vordergrund stellen, dass Yannick schwul ist, sondern er ist jemand, der liebt und Gefühle vermittelt.

Wie hast du dich auf diese Rolle bzw. auf die Szenen vorbereitet?
Carlo: Ich habe im Vorfeld viel über die Thematik gelesen und mich mit meinen homosexuellen Bekannten ausgetauscht. Und wir haben einen Coach, der mit uns die Szenen durchgeht und bespricht, wie man am besten da herangeht. Für mich war es zunächst eine große Umstellung … Ein Mann riecht ganz anders als eine Frau und fühlt sich anders an. Da muss man schon über einen bestimmten Punkt gehen und es zulassen, sich fallen lassen.

Eric: Da kann ich gut anknüpfen. Der Unterschied zwischen meiner und Carlos Rolle Joscha ist, dass Joscha im Konflikt zur Homosexualität steht und meine Rolle Yannick sein Coming-Out schon mit 13 Jahren hatte. Deshalb war bei der Vorbereitung die Fallhöhe für mich nicht so hoch wie für ihn. Für mich war klar, dass ich mich einfach verlieben muss. Schwer wurde es erst, als ich mich dem Spielpartner hingegeben und losgelassen habe. Da hat mich dann das Umfeld am meisten gestört: das Team, die vielen Kameras und der Zeitdruck. Beim Theater wird einem da mehr Zeit gelassen, um sich einzufühlen. Am Set einer täglichen Serie ist das natürlich schwierig, da du innerhalb weniger Minuten sofort funktionieren musst. Das war für mich der größte Konflikt.

Wie war das, als du zum ersten Mal einen Mann geküsst hast?
Carlo: Ich war es gewohnt, eine Frau zu küssen. Einen Mann zu küssen, war da etwas ganz Neues und Ungewohntes. Ich hatte jetzt aber schon recht viele solcher Szenen und mit der Zeit bin ich sicherer und routinierter geworden.

Eric: Bei einem Männerkuss geht es sehr viel um Vertrauen. Es ist wie eine Arbeitsvereinbarung zwischen mir und meinem Spielpartner. Wir wissen beide, dass es nur eine Rolle ist und das macht es einfacher. Wenn ich eine Frau küsse, ist das etwas Gewohntes und man braucht dieses gegenseitige Vertrauen nicht so sehr, als wenn man einen Mann küsst.

Wie waren die Reaktionen von deiner Freundin, von Freunden und der Familie auf deine Rolle?
Carlo: Klar kamen da ein paar blöde Kommentare, aber die waren alle nur als Gag gemeint. Im Endeffekt schätzen meine Freunde, was ich mache und haben sehr großen Respekt davor. Meine Freundin freut sich natürlich, dass ich eher einen Mann küssen muss statt einer Frau.

Eric: Für meine Freundin ist einfach wichtig, dass ich gut schauspielere und es realistisch rüberkommt. Ich habe sie auch mal zum Set mitgenommen, damit sie sehen konnte, was wir da machen. Meine Familie ist in erster Linie stolz, aber dadurch, dass sie noch gar nicht viel gesehen haben, weiß ich nicht, wie sie reagieren werden, wenn sie mich dann tatsächlich mit einem Mann im Fernsehen sehen.

Warum ist es für Joscha so schwer, sich zu outen?
Carlo: Die Thematik „Schwule Fußballer“ ist seit einiger Zeit ziemlich aktuell. Ich kenne aber kaum Fußballer, die sich outen. Und falls sie dies tun, wird es ihnen sehr schwer gemacht. Der Fußballsport scheint immer noch auf das Bild der „harten Kerle“ fixiert zu sein, und da passt Homosexualität auf den ersten Blick nicht hinein. Auf meiner Rolle Joscha lastet ein enormer Druck. Sein Ex-Freund hat sich geoutet, es danach sehr schwer gehabt und sich daraufhin umgebracht. Joscha ist die Karriere als Fußballer so wichtig, dass er sein eigentliches „Ich“ total verdrängt und somit quasi in zwei Welten lebt.

Auf der nächsten Seite erzählen uns die beiden, warum Homosexualität beim Fußball noch immer ein Tabu ist und was sie von den Gesetzen gegen Homosexualität in Russland halten.


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